Unkraut verdirbt nicht

5. April 2012

Aegopodium podagraria – Giersch

Seitenweise kriegerische Ansagen auf dem Internet gegen den Giersch: bekämpfen, ausrotten, unbesiegbar, Problemkraut, hartnäckiges, wucherndes, weitberbreitetes, ekelhaftes Unkraut usw. Viele Tipps und Tricks, wie ich dieses “Unkraut” aus meinem Garten banne.
Es stellt sich die Frage, was mache ich, wenn ich nicht mit in den Kampf einsteigen will? Kann mir diese Pflanze auch nützen? Selbstverständlich. Unkraut vergeht nicht – vergraben wir das Kriegsbeil!

Betrachte ich den Giersch genauer, dann fällt seine Blätterform auf: sie ähnelt dem Fussabdruck der Ziege. Daher kommt auch ihr Gattungsname Aegopodium (gr.: aigeos = Ziege; podos = Fuss). Die Blätter sind auf der Oberseite glatt und unten behaart. In der Volksmedizin wird er seit Jahrhunderten zur Linderung der Schmerzen bei Rheumatismus und Gicht (Podagra) verwendet. Er ist in der Wirkung der kleine sanfte Bruder vom Meisterwurz und wird ebenfalls zur Magenkräftigung eingesetzt.
Der 3-kantig gefurchte Stängel ist unten hohl und endet in zusammengesetzten doldigen Blütenständen. Der Giersch hat wie alle Doldengewächse die Fähigkeit, die Umgebung mit seinen Antennen wahrzunehmen und die Eindrücke zu verdauen. Durch die stark wuchernden, weissen Rhizome können die Ausläufer ganze Kolonien bilden. Dies gibt ihm die vitalisierende und stärkende Kraft.
Der Giersch kann mit dem Schierling verwechselt werden. Letzter hat jedoch den grau gefleckten Stängel.

Die ganz jungen, kaum entfalteten Blätter eignen sich als Salat oder Gemüse. Ihr Geschmack erinnert an würzigen Spinat und leicht an Peterli. Die Blätter können gekocht oder gedünstet werden wie der Spinat. Da die Stiele bitter schmecken, können sie vor dem Kochen entfernt werden.

Einige Rezeptvorschläge
Als Tee für eine Frühjahrskur: 2 EL Gierschkraut auf 250 ml Wasser, Kraut mit abgekochtem Wasser übergiessen, 5 Minuten ziehen lassen und abseihen.
Zur Behandlung von Hämorrhoiden kann derselbe Tee äusserlich als Badezusatz verwendet werden.
Bei Gicht und Rheuma wird das frische, zerquetschte Kraut (alle über der Erde wachsenden Teile der Pflanze bevor sie blüht) auf die schmerzenden Stellen aufgelegt.

Giersch-Sauce
Eine gepresste Knobli-Zehe und eine kleine feingeschnittene Zwiebel werden in Öl angedünstet, Pfeffer und Gierschblätter ganz mitdünsten. Mit Weisswein ablöschen, etwas Gemüsebouillon und Muskatnuss gerieben dazugeben und leicht köcheln lassen. Parmesan reiben und mit der Giersch-Sauce über gekochte Pasta geben.
Der gedünstete Giersch kann auch als Spinat oder Spinatkuchen serviert oder püriert als Suppe gelöffelt werden. Junge Gierschblätter werden als Salat genossen.
Weitere Ideen: Blätterteigtaschen mit Feta und Giersch, Giersch-Knöpfli, Giersch-Reis…

En Guete wünschen das Phytorama-Team
Marisa Pedretti
Marion Meyer
Beatrice Tillmann